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25 Juli 2025

Der stille Wettkampf – Wie Tabakkonzerne auf die Legalisierung von Cannabis reagierten

Mit dem Aufkommen der Legalisierungsbewegung für Cannabis in verschiedenen Ländern der Welt, insbesondere in Nordamerika, veränderte sich das Kräfteverhältnis auf dem Markt für psychoaktive Substanzen. Dieser Prozess wurde nicht nur von regulatorischen Veränderungen begleitet, sondern auch von aktivem Eingreifen bestehender Branchenakteure – allen voran der Tabakindustrie. Die Erfahrung großer Tabakkonzerne, die jahrzehntelang den Markt für legale Genussmittel dominiert hatten, spielte eine bedeutende Rolle bei der Gestaltung von Politik, Einflussstrategien und Wettbewerb im neuen wirtschaftlichen Umfeld.

 

Die ersten ernsthaften Schritte zur Legalisierung von Cannabis wurden in den USA Ende der 1990er Jahre unternommen, als einige Bundesstaaten den medizinischen Gebrauch erlaubten. Der großflächige Legalisierungsprozess begann jedoch im Jahr 2012, als die Bundesstaaten Colorado und Washington den Freizeitgebrauch legalisierten. Dies eröffnete einen neuen Markt, der potenziell mit der etablierten Tabakindustrie konkurrieren konnte. Obwohl der Cannabismarkt zunächst marginal erschien, löste sein schnelles Wachstum Reaktionen bei den führenden Unternehmen der Tabakbranche aus.

 

In den Anfangsphasen der Cannabislegalisierung äußerten sich Tabakunternehmen nicht offen zu diesem Prozess. Historische Dokumente zeigen jedoch, dass Tabakkonzerne, insbesondere Philip Morris, bereits in den 1970er Jahren das Potenzial von Cannabis als künftiges Produkt untersuchten. Archivmaterialien, die infolge von Gerichtsverfahren in den 1990er Jahren veröffentlicht wurden, belegen, dass die großen Tabakkonzerne die Möglichkeit einer zukünftigen Produktion von Marihuana bei Änderung des Rechtsstatus in Betracht zogen. Trotz dieser Überlegungen hielten sich große Tabakunternehmen bis in die 2010er Jahre mit direkter Beteiligung an der Legalisierungsdebatte zurück. Dies war zum Teil auf politische und rufbezogene Risiken zurückzuführen. Dennoch könnten sie über Branchenverbände oder die Unterstützung bestimmter gesellschaftlicher Initiativen indirekt Einfluss auf die öffentliche Meinung und die Regulierung genommen haben, um die Legalisierung zu verlangsamen.

 

Tabakunternehmen verfügen traditionell über umfangreiche Ressourcen im Bereich Lobbyarbeit. In einigen Fällen nutzten sie diese, um auf die Ausgestaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für den legalen Cannabishandel Einfluss zu nehmen. Zu den Hauptstrategien gehörten strengere Verpackungs- und Kennzeichnungsanforderungen – vergleichbar mit denen für Tabakwaren –, die eine Eintrittsbarriere für neue Marktteilnehmer darstellen konnten, Einschränkungen beim Marketing sowie Rauchverbote an öffentlichen Orten, die sich sowohl auf Tabak als auch auf Cannabis bezogen. Solche Regulierungen konnten das Wachstum der Cannabisindustrie bremsen, ohne dass dies als offene Gegnerschaft wahrgenommen wurde.

 

Ein weiterer Bestandteil des Widerstands waren öffentliche Kampagnen, die – auch wenn sie nicht immer direkt von Tabakunternehmen finanziert wurden – häufig deren Interessen widerspiegelten. Typische Argumente dieser Kampagnen waren: Gefährdung der Jugend durch Cannabiskonsum, die These, dass Legalisierung den Schwarzmarkt nicht eindämmt, sowie mögliche negative Auswirkungen auf den Straßenverkehr und die Arbeitsproduktivität. Diese Narrative wurden nicht nur in den Medien verbreitet, sondern auch in Berichten an Regulierungsbehörden, politischen Debatten und öffentlichen Anhörungen genutzt.

 

Ab der zweiten Hälfte der 2010er Jahre begann sich die Haltung der Tabakindustrie zu ändern. Einige Unternehmen wandten sich von der Strategie des Widerstands ab und begannen, sich an den neuen Markt anzupassen oder in ihn zu integrieren. Dies geschah unter anderem durch direkte Investitionen. So investierte das Unternehmen Altria, das die Marke Marlboro besitzt, im Jahr 2018 rund 1,8 Milliarden US-Dollar in die kanadische Cannabisfirma Cronos Group. Zudem begannen Tabakunternehmen mit der Entwicklung von Produkten wie Inhalatoren, Vaporizern und anderen Konsumgeräten für Cannabis. In vielen Fällen strebten sie Partnerschaften mit bestehenden Akteuren auf dem Cannabismarkt an, um deren Erfahrung und Lizenzen zu nutzen. Dieser Strategiewechsel lässt sich durch Marktanalysen erklären, die den globalen Markt für legales Cannabis auf ein Volumen von mehreren Dutzend Milliarden US-Dollar schätzten. Eine Vernachlässigung dieses Marktes hätte für die Tabakindustrie, die ohnehin mit sinkendem Zigarettenkonsum zu kämpfen hatte, Einkommensverluste bedeutet.

 

Zwischen 2020 und 2025 ist eine Konsolidierung des Cannabismarktes zu beobachten, bei der Tabakkonzerne eine aktive Rolle spielen. Sie nutzen ihre bestehenden Infrastrukturen in Logistik, Marketing, Recht und Lieferketten, um schnell in den neuen Sektor einzusteigen. Gleichzeitig nehmen die Stimmen der Kritiker zu, die befürchten, dass große Konzerne kleinere Produzenten verdrängen und zu einer Vereinheitlichung und Kommerzialisierung von Cannabis nach dem Vorbild der Tabakprodukte führen könnten. Das Verhältnis zwischen der Tabakindustrie und der Cannabislegalisierung war somit ein komplexer und vielschichtiger Prozess, der sich im Laufe der Zeit gewandelt hat. Aus einer anfänglichen Zurückhaltung und ablehnenden Haltung entwickelte sich ein pragmatischer Übergang in Form von Investitionen und strategischen Partnerschaften.

 

Obwohl es meist keine direkte Konfrontation gab, spielte der Einfluss der Tabakindustrie auf Regulierungen, öffentliche Kommunikation und Marktdynamik eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der legalen Cannabislandschaft. Heute sind Tabakunternehmen nicht nur Wettbewerber, sondern aktive Marktteilnehmer in der Cannabisbranche – ein Umstand, der eine neue Phase in der Entwicklung beider Industrien einläutet.